Andreas Nuissl Friseur aus Bayreuth

Beitrag in der fmfm: Zurück in die Zukunft – Vom Stillstand in den Schleudergang XXL Andreas Nuissl über die Zeit des Stillstandes und dem Re-Start einer sehnsüchtig erwarteten Branche

Seit dem 4. Mai haben die Friseursalons wieder geöffnet. Welche Maßnahmen mussten getroffen werden, damit ein sicheres Arbeiten gewährleistet ist?

Bei Andreas Nuissl, Inhaber vom Salon Cutting Crew und Hair Force One in Bayreuth, stand das Telefon seit dem Bekanntwerden des Öffnungsdatums nicht mehr still. „Unserer Kunden fragten, wann sie kommen dürften. Am liebsten so schnell wie möglich sagten die meisten“, erzählt der Friseurmeister. „Im März hatten wir uns entschieden, dass wir schließen wollten, noch vor dem behördlichen Beschluss. Wir hatten diese Entscheidung mit dem ganzen Team getroffen, weil es uns wichtig war, nicht nur uns selbst zu schützen, sondern vor allem auch unsere Kunden“.

„Die für uns unabsehbare Zeit der „Zwangspause“ hatten wir nicht als Urlaub wahrgenommen, sondern für existenziell wichtig angesehen, um unsere Betriebe zu sichern und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu erhalten. Anträge bei Behörden (Kurzarbeit, Soforthilfen, Stundungen), Terminverschiebungen und Kundenkontakt halten, Verhandlungen mit Geschäftspartnern und unzählige Gedanken machen zum Re-Start, waren nur einige Punkte, welche uns Tag und Nacht beschäftigten“.    

„Mir war es ein Anliegen, meine Mitarbeiter nicht mit der Situation allein zu lassen, sondern sie mit vielen Gesprächen in diese Zeit mit einzubinden“, erklärt Andreas Nuissl. Aus diesem Grund wurden regelmäßig Gespräche und Zoom-Meetings geführt, wo Themen wie Weiterbildung, Wiedereröffnung, Mundschutz und ein zusätzliches Sicherheitskonzept für die Corona-Situation thematisiert wurden.

Inspirationen und Motivation holten wir uns täglich von lieben Kollegen, wie z. B. „Albert Bachmann täglich morgens live“, „Nun mal deutlich“ von Lars Nicolaisen und Marcus Gröllich, der seine Haarschnitte live aus Mexiko online präsentierte. Peter Gress hat schon vor den BGW-Bestimmungen ein Hygiene-Konzept entwickelt, welches er uns Friseuren zur Verfügung stellte. Standard-Hygienemaßnahmen gab es schon vorher, diese sind allerdings eher im Hintergrund abgelaufen, sodass der Kunde es eben nicht direkt mitbekommen hatte. Das hat sich nun geändert.

Einfach “Danke” sagen!

Danke an alle Kollegen für die Hilfe und Inspirationen. Danke an die HWK Oberfranken, welche mit Online-Handwerkermeetings und Tipps Kontakt gehalten hat. Von den offiziellen Stellen wurden wir ziemlich im Stich gelassen. In den sechs Wochen der Betriebsschließungen gab es leider keine Information der Innung, des Zentralverbandes und die Bestimmungen der Berufsgenossenschaft kamen auch erst 5 Tage vor der Wiedereröffnung. Reichlich spät, um pflichtbewusst alle Vorgaben umzusetzen, wenn man es bis dahin nicht schon aus eigenem Antrieb getan hatte.

Lieferengpässe und horrende Preiserhöhungen bei Masken, Desinfektionsmitteln und Plexiglasschutzvorkehrungen waren an der Tagesordnung. Lange schon vor Bekanntgabe der strikten Anordnungen der BGW zur Wiedereröffnung aller Friseursalons, hatte Andreas Nuissl viele Änderungen in seinen Salons vorgenommen.   

Desinfektionsständer wurden aufgestellt, zwischen jedem Platz wurde ein speziell angefertigtes transparentes Sicherheitsschild angebracht, sodass die Abtrennungen zwischen den Stühlen seinen Kunden den größtmöglichen Schutz bieten. Ebenso der Schutz an der Rezeption, damit auch dort der Hygienestandard eingehalten wird.

„Nun, nach zwei Wochen des Re-Starts und täglicher Arbeitszeit von bis zu 13 Stunden, können wir sagen, dass unser durchdachtes Konzept richtig war und wir mit den BGW-Bestimmungen alle Kunden zufrieden stellen können. Die Akzeptanz einer Preiserhöhung in Form eines Hygieneaufschlags wird zu 100 % positiv bewertet.“

Unverständnis!

Angst macht Andreas Nuissl die Dummheit und Ignoranz vieler Menschen, welche die behördlichen Auflagen und die wiedergewonnene Freiheit in Form von Demonstrationen ohne Mundschutz missachten und so eventuell wieder zum Verbreiten des Virus beitragen und daraufhin die Betriebe noch einmal schließen müssten. Obwohl Kurzarbeitsgeld und Soforthilfen (welche als Betriebseinnahme verbucht werden müssen) gezahlt und Stundungen genehmigt wurden, wäre ein neuer Shut-Down ein wirtschaftliches Desaster der gesamten Branche.

„Ich sehe die Weichenstellung und das Überleben vieler Betriebe erst nach dem Auslaufen der Stundungsphase. Wer jetzt nicht haushaltet, wird mit den kumulierten Beträgen und Nachzahlungen auf eine harte Probe gestellt. Absolutes Verständnis habe ich für Betriebsschließungen, wenn sich nicht an die Anweisungen und Hygiene-Verordnungen der BGW gehalten wird. Denunziantentum und anschwärzen von Kollegen sind Untugenden, die mir persönlich absolut zuwider sind. Da unser Berufsstand aber nur unter strikten Anordnungen der Behörden und mit genauen BGW-Regeln wieder aufmachen durfte, ist es die Pflicht eines jeden, schwarze Schafe in unseren Reihen zu melden. Auch ich bin der Meinung, dass manche Anordnungen der BGW für die Ausübung unserer Tätigkeiten keinen Sinn machen und widersprüchlich sind, aber Regeln sind dazu da eingehalten zu werden. Jeder der diese Regeln missachtet, riskiert nicht nur die Schließung seines Betriebes, sondern bringt unsere gesamte Branche in Misskredit. Schließlich haben alle Kollegen viel Geld und Mühe in die geforderten Schutzeinrichtungen investiert, um ihre Salons auf die vorgegebenen Anforderungen und Bestimmungen zum größtmöglichen Schutz ihrer Kunden und Mitarbeiter anzupassen“.

Hoffnung!

„Die Friseurbranche steht vor einem großen Neubeginn und ist bereit für Veränderungen, wenn das Konzept richtig durchdacht ist. Unsere Kunden standen noch nie so positiv hinter uns wie jetzt. Nutzen wir die positive Berichterstattung aller Medien für unsere Branche. Handwerk hat goldenen Boden. Gott schütze das ehrbare Handwerk. Es lebe das Handwerk“. 

 

 

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