Andreas Nuissl
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Andreas Nuissl
 
„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ Tommaso Campanella
 


Andreas Nuissl | | | Ein Reisebericht aus Südindien

Andreas Nuissl reiste kürzlich durch Südindien. Neben vielfältigen Eindrücken, die er sammeln konnte und auch auf Bildern festhielt, hatte er auch die Chance sein Friseurkönnen unter Beweis zu stellen.

 
                  Mehr Fotos können Sie hier auf meiner Webgalerie einsehen.
 

„Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen zwei Tischen des Serviceclubs Round Table, besuchte ich mit einer vierköpfigen Delegation aus Bayreuth im September Südindien. Interessiert war ich vor allem an den Gegensätzen zwischen Arm und Reich, Tristesse und Farbigkeit, dem Miteinander der vielen Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Katholizismus und Islam) und ich freute mich auf die Kollegen, die ich auf unserer Reise besuchen wollte.

Informiert hatte ich mich über das für mich fremde Land durch viele Dokumentationen und besonders aufwühlend waren für mich die Filme „Slumdog Millionaire“ und „Best Exotic Marigold Hotel“, in denen sich alle Facetten des indischen Lebens vermeintlich widerspiegelten. Meine Skepsis gegenüber dem Land, welche sich durch die Filme aufgebaut hatte, wurde nicht bestätigt und meine Erwartungen sind bei weitem übertroffen worden. Hier bestätigte sich wieder einmal, dass Information wichtig ist, aber man sich auf Neues einlassen sollte.

Wir hatten das Glück, dass wir durch viele befreundete Inder, die für uns ein 16-tägiges Programm organisiert hatten, betreut wurden. So befanden wir uns dann doch auf einer privilegierten Reise durch Südindien, welche durch viele imposante Erlebnisse, so für normale Touristen in keinem Programm steht.

Das Feuerwerk von Eindrücken umfasste unter anderem eine Fahrt mit Übernachtung auf einem Hausboot in den Kerala Backwaters – ein Netz aus rund 1900 km Kanälen, der Wiege der Ayurveda-Bewegung, eine Zugfahrt mit dem historischen Dampfzug, dem Blue Mountain Train durch die Niligiri-Berge. Der Zug, der sich auf einem schmalen Zahnradgleis in die Höhe schraubt, wurde zwischen 1890 und 1908 von den Briten gebaut. Auf der 46 km langen Strecke zwischen Mettupalayam im Flachland und dem hoch gelegenen Ooty überwindet er einen Höhenunterschied von 2000 m. Die Fahrt führt durch eine spektakuläre Szenerie mit schwindelerregenden Brücken, langen Tunnels und tiefen Schluchten. Von Ooty ging es hinauf auf den höchsten Punkt Südindiens, dem Doddabetta auf 2638 m Höhe, von wo man ein traumhaftes Panorama zwischen den Eastern und den Western Ghats genießen konnte. Auch dort wurden wir wegen unserer weißen Hautfarbe, wie so oft auf unserer Reise, von den Indern um ein Foto gebeten.

                 Mit Friseuraugen gesehen. Andreas Nuissl unterwegs.
                                              in der CLIPS Januar 2013

Friseursalons in Indien

Und immer wieder hielt ich Ausschau nach Friseursalons, wie wir sie kennen. Aber hier wurde ich enttäuscht, denn was ich sehr oft vorfand, waren kleine Hütten in denen nur männliche Kollegen rasierten und mit abenteuerlichen Werkzeugen Haare schnitten.

Die Inderin trägt ihr Haar lang und ungefärbt. Einziger Schmuck sind Jasmin Blüten, die wegen des Duftes am Zopf befestigt werden, und welche die Schönheit ihrer Trägerin unterstreichen sollen. Entweder ist das Haar natürlich schwarz, wird grau oder wird mit Henna, einem Pflanzenfarbstoff, behandelt. Dementsprechend rötlich sehen dann die oft ungewohnten Farbergebnisse, insbesondere bei den Männern, aus. Selbst bei den Mädchen ist das Haar lang, da die Frisur mit zur Schuluniform gehört. Diese tragen ihre Haare mit Mittelscheitel und beide Zöpfe werden seitlich hochgebunden und mit Blüten befestigt. Die Möglichkeit eines modischen Haarschnittes bleibt ihnen somit verwehrt und ist von den Mädchen, auf meine Nachfrage hin, auch gar nicht gewünscht.

Neben den äußeren Eindrücken, den vielen Stunden im Auto und der Friendship zu unseren Partnern und Reisebegleitern waren die größten Highlights, dass wir in die Geheimnisse von Kastenwesen, Hinduismus, Gesellschaft, Politik, Straßenverkehrs-„Ordnung!!!“, Essen mit der rechten Hand und vor allem in die unerschöpfliche, köstlich scharfe Vielfalt der südindischen Küche eingeführt wurden. Die vielen bunten Märkte – überquellend mit Lebensmitteln und freundlichen Menschen – waren für uns ein Spektakel für Augen und Seele.
Besonders beeindruckend waren eine Segnung durch einen hinduistischen Tempelpriester und dass wir als Ehrengäste einer Schuleinweihungszeremonie beiwohnen durften. Unter anderem besuchten wir noch drei weitere Schulprojekte, die im Rahmen des Round Table Servicegedankens unter dem Motto „Freedom through Education“ stehen und von Round Table unterstützt werden.
Immer wieder mussten wir bei den Kindern Autogramme in die Schulhefte schreiben, Fotos mit ihnen machen, Bäume pflanzen und Fragen beantworten.
Für Inder ist es übrigens sehr wichtig zu wissen, welchen Hintergrund man hat. Wer bist du, wie heißt du, wo kommst du her, bist du verheiratet, hast du Familie, hast du Bilder, dies sind Fragen, die man immer wieder gestellt bekommt.
Nach Beantwortung dieser Fragen und dem Zeigen der Fotos meiner beiden Friseursalons, wurde ich immer wieder aufgefordert, ich sollte doch einen Salon in Indien eröffnen. Aber nur in den Großstädten wie Delhi, Mumbai oder Kalkutta. Diese Möglichkeit lehnte ich dankend ab, aber ich nutzte die Gelegenheit, an verschiedensten Orten und Locations meinen indischen Freunden die Kunst des Haareschneidens zu zeigen.

So verließen wir unsere Freunde von unserem Partnertisch in Erode und die Reise ging weiter nach Mysore, wo wir in dem Hotel „Lalihta Mahal Palace“ wie die Könige residierten. Der einstige Palast des vegetarischen Maharajas, der diesen extra für seine Fleisch essenden Gäste bauen ließ, diente schon häufig als Filmkulisse und wird nur noch übertroffen von dem eigentlichen Maharaja Palast „Amba Vilas“, der 1912 im indosarazenischen Stil gebaut wurde und an Festtagen von 96000 Glühlampen erleuchtet wird.

Weiter ging die Reise über Bangalore nach Hyderabad, dem Ziel unserer Reise. Dort wirkten meine Eindrücke so massiv nach, dass ich nun ein neugewonnenes Verständnis der Bedeutung „Incredible India“ habe.

Wunderland Südindien

Zwischen Hightech und heiligen Kühen gehen Fortschritt und Tradition Hand in Hand. Die Faszination der Kontraste ist überall spürbar. Wir haben vier Bundesstaaten besucht, und nirgendwo sind die Farben leuchtender, die Gerüche intensiver und die Sinnlichkeit spürbarer als in Südindien.
Die gelebte Erfahrung von respektvollem Umgang miteinander, Nachwirken von Freundschaft zu unseren indischen Freunden mit Familien und einem Land, welches mich in seinen Bann zog, lässt einen über den Sinn und Unsinn unserer vermeintlich zivilisierten und geordneten Welt nachdenken.“

Mehr Fotos können Sie hier auf meiner Webgalerie einsehen.




Impressionen aus Südindien:
eine typische Friseurhütte

Gerne nutzte ich die Gelegenheiten zum Haareschneiden.


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